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Die verschiedenen Zuchtschauen

Es gibt viele Jäger die denken es spielt keine Rolle wie ein Hund aussieht. Hauptsache er würde gut jagen. Meine persönliche Meinung ist man kann Schönheit und Leistung nicht trennen. „Schönheitszucht“ ist Standartzucht und der Standard eines Gebrauchshundes verfolgt ein bestimmtes Ziel, nämlich Leistung. Um es noch besser zu verstehen gebe ich Ihnen ein paar Beispiele.

Eine zu schwere Belefzung stört den Hund unter Umständen beim Apportieren weil der Hund sich dabei auf seine eigene Oberlippe beißen kann. Ein stark überbauter Hund läuft übertrieben gesehen wie ein Keil mit dem Kopf Richtung Boden. Lässt man diesen Hund nun z. B. mit einem starken Fuchs über ein größeres Hindernis springen wird er es entweder verweigern oder nur mit größter Kraftanstrengung schaffen. Anders ein korrekter Rücken welcher in der Lage ist sich selbst zu tragen. Als letztes Beispiel möchte ich fehlende Winkelungen oder verdrehte Gelenke ansprechen. Ein zu kurzer Oberarm der Vorderhand hat mangelnden Raumgriff zur Folge. Eine zu schwache Hinterhandwinkelung lässt den nötigen Schub vermissen. Nun stellen sie sich vor sie sind den ganzen Tag auf der Jagd, Treibjagd oder Bewegungsjagd, logisch dass der anatomisch schlechtere Hund bei gleicher Passion schneller müde wird. Ein gewissenhafter Züchter wird also immer versuchen Schönheit und jagdliche Veranlagung zu vereinen. Sicherlich werden trotz größtmöglicher Sorgfalt immer wieder Welpen gewölft die dem Standart mehr und welche die dem Standart weniger entsprechen, je nach dem wie sich die Gene der Elterntiere zusammenfinden. Oftmals kommen dabei auch verborgene Erbanlagen der Urahnen zum Vorschein, was die Zucht zu einer nicht völlig kalkulierbaren Angelegenheit macht.
Will man positive Merkmale manifestieren so ist es nötig nur die besten Tiere in die Zucht zu nehmen und Paarungen durchzuführen in denen sich die Elterntiere größtmöglich ergänzen. Doch vorher ist es nötig Hunde auf verschiedenen Zuchtschauen von fachkundigen Richtern bewerten zu lassen. Allerdings ist zu bedenken: Phänotyp ist nicht immer gleich Genotyp.

Hündinnen mit einem Formwert G sollten nach meiner Meinung keine Verwendung in der Zucht haben, auch wenn dies noch den Bestimmungen des Zuchtvereines entsprechen würde. Bei den Rüden sollte der Formwert wenn irgendwie möglich noch eine Klasse höher liegen. Ein guter Deckrüde muss in der Lage sein, im direkten Vergleich zu anderen Vertretern seiner Rasse zu bestehen. Ein mehrmaliges V1 in der Gebrauchshundeklasse finde ich hier als Minimum. Außerdem ermöglicht es den Hündinnenbesitzern durch die Zuchtrichterbeschreibungen sich ein Bild vom Rüden zu machen.
Auch wenn es nie gelingen wird den absolut optimalen Hund zu züchten so sollte es doch immer unser oberstes Bestreben sein. Dass wir uns über das Wesen und die Gesundheit der Hunde nicht extra unterhalten müssen setzte ich voraus.
Bevor ich ihnen die einzelnen Zuchtschauen erklären kann ist es nötig , dass sie die verschiedenen Formwerte, Abkürzungen und deren Bedeutung kennen lernen.

In der Jüngstenklasse gilt folgende Bewertung:
1. viel versprechend = vv
2. versprechend = v
3. wenig versprechend = wv

In den anderen Klassen wird nach folgenden Kriterien unterschieden:
1. vorzüglich = v
2. sehr gut = sg
3. gut = g
4. genügend = gen
5. disqualifiziert = dis
6. CACIB = Championat Anwartschaft Champion in Beaute
7. BOS = Best of Sex / Bester des Geschlechtes
8. BOB = Best of Breed / Rassebester
9. BIS = Best in Show / Bester Hund einer Ausstellung
10. BOG1 = Gruppen Sieger


Die Zuchtschauen im einzelnen

BZS/Bezirkszuchtschau
Bei der Bezirkszuchtschau besteht die Möglichkeiten den Hund innerhalb einer Zuchttauglichkeitsprüfung (ZTP) für zuchttauglich erklären zu lassen. Außerdem können auf einer BZS erste Erfahrungen im Punkto Ausstellung gesammelt werden.

SZS/Spezialzuchtschau
Spezialzuchtschauen sind Zuchtschauen verschiedener Rassezuchtvereine unter den allgemeinen Bedingungen des VDH (Verband der deutschen Hundewesen).
Anders als bei der BZS werden hier die Hunde nach verschiedenen Klassen aufgeteilt. Gleichzeitig werden die ersten 4 einer jeden Klasse platziert (Voraussetzung der Formwert ist nicht schlechter als sg). An die V1 Hunde der jeweiligen Klassen können des weiteren Anwartschaften für verschiedene Championtitel vergeben werden.

Internationale Zuchtschau
Zum Unterschied einer SZS ist die Konkurrenz auf Internationalen Zuchtschauen oft größer, da sich anders als bei SZS nicht nur Vertreter einer bestimmten Rasse dort treffen sondern alle Rassehunde und oftmals auch noch begehrte Tagestitel wie Bund- Europa- oder Weltsieger vergeben werden. Gesamtmeldezahlen aller Rassen von über 2000 Hunden sind keine Seltenheit. Der Grund ist nicht zuletzt die Vergabe des CACIB oder mit anderen Worten die Anwartschaft auf den höchsten Titel der FCI den Internationalen Schönheitschampion. Verliehen wird das CACIB an den jeweils besten angetretenen Hund seines Geschlechtes, dieser erhält auch den jeweiligen zu vergebenden Tagestitel. Der beste Hund der Rasse tritt um den Titel Sieger der Gruppe 8 an. Die jeweiligen Gruppen Sieger ermitteln den Tagessieger und die Tagessieger den Gewinner der Internationalen Zuchtschau. Ansonsten siehe SZS. Nur wenigen Springern war es bisher vergönnt die Gruppe 8 (Stöber- und Apportierhunde) zu gewinnen. Ich persönlich kenne keinen Tagessieger. Was aber nicht heißen muss das es keine gibt.


Nun im einzelnen die verschiedenen Klassen:

Jüngstenklasse:
Ab 6-9 Monate, keine Vergabe von Anwartschaften.
Jugendklasse:
Ab 9 - 18 Monaten mit Vergabe der Anwartschaften für die Jugendchampion.
Zwischenklasse:
Ab 15 – 24 Monate mit Vergabe der Anwartschaften für alle Championtitel.
Gebrauchshundklasse:
Ab 15 Monate mit FCI Nachweis für bestandene Anlagenprüfung mit Vergabe der Anwartschaften für alle Championtitel.
Championklasse:
Mit Nachweis eines Championtitel ; Internationaler Schönheitschampion, Deutscher Champion VDH, FCI- Weltsieger und Europasieger,Europasieger VDH, Dt. Bundessieger mit Vergabe der Anwartschaften für alle Championtitel.
Offene Klasse:
Ab 15 Monate mit Vergabe der Anwartschaften für alle Championtitel.
Ehrenklasse:
Nennung in der Klasse nur möglich mit Ernennung zum Internationalen Schönheitschampion. In der Klasse werden keine Formwertnoten mehr vergeben und die Hunde werden nur noch platziert. Der beste der Klasse läuft später nur noch um das BOB mit. Für den BOB ist die Teilnahme um den Gruppensieger Pflicht.

Veteranenklasse:
Ab 8 Jahre mit der Vergabe der Anwartschaft zum Veteranenchampion. Der beste Hund der Klasse läuft um das BOB mit.


Die verschiedenen Titel und ihre Vorraussetzungen

Deutscher Jugendchampion Klub
Drei Anwartschaften deutscher Jugendchampion Klub.
Müssen im alter von 9-18 Monaten unter mind. zwei verschiedenen Richtern gewonnen werden.
Ehrengabe JSK: Bronze mit Eichenlaub.
Deutscher Jugendchampion VDH
3 Anw. Alle gewonnen auf internationalen Zuchtschauen bei zwei verschiedenen Richtern.
Deutscher Champion Klub
Vier Anwartschaften deutscher Champion Klub unter drei verschiedenen Richtern. Zwischen der ersten und der vierten Anwartschaft muss 1 Jahr und ein Tag liegen
Ehrengabe JSK: Silber mit Eichenlaub.
Deutscher Champion VDH
5 Anw. bzw. 4 wenn eine davon auf einer Internationalen Zuchtschau in Dortmund erreicht wurde. Zwei der Anwartschaften müssen in jedem Fall auf einer internationalen Zuchtschau ermittelt worden. Weiterhin müssen die Anwartschaften von 3 verschiedenen Richtern in zwei Bundesländer stammen.
Deutscher Veteranenchampion
Drei Anwartschaften deutscher Veteranenchampion Klub.
Ehrengabe: JSK Bronze mit Eichenlaub.
Internationaler Schönheitschampion
Voraussetzung sind zwei CACIB in zwei verschiedenen Ländern. Eines davon muss in England bzw. im eigenen Land in dem sie leben gewonnen werden. Das zweite nach beliebiger Wahl. Weiterhin ist das Bestehen einer Anlageprüfung Voraussetzung.
In letzter Zeit gibt es immer wieder Stimmen für die Vergabe des Titels auf die Anlageprüfung zu verzichten. Ich persönlich halte davon nichts. Dieser Titel sollte meiner Meinung nach nur Hunden vorbehalten bleiben welche neben ihrem äußeren Erscheinungsbild sich ihre ursprünglichen jagdlichen Anlagen bewahrt haben.Leistung und Schönheit vereint!
Ehrengabe JSK: Gold mit Eichenlaub
Prüfungssieger
Formwert V und einen 1. Preis auf einer Anlagenprüfung, weiterhin zwei 1. Preise auf einer Gebrauchsprüfung. Einmal kann an die Stelle eines 1. Preises auf einer GP ein 2. Preis mit der Punktzahl eines 1. Preises treten.
Ehrengaben JSK: Silber mit Eichenlaub.
Klubsieger
Drei Anwartschaften deutscher Champion Klub aus zwei verschiedenen Landesgruppen und Richtern. Weiterhin 2 erste Preise auf einer Anlagenprüfung, an Stelle eines ersten Preises auf einer Anlagenprüfung kann ein 2. Preis auf einer GP angerechnet werden. Die jagdlichen Prüfungen müssen aus zwei verschiedenen Landesgruppen stammen.
Ehrengabe JSK: Gold mit Eichenlaub.
Länderchampion verschiedener Nationen
Je nach Bestimmung der verschiedenen Länder.
Tagestitel
Meist an CACIB, BOB oder BIS gekoppelt.